Wiens Kinder- und JugendanwältInnen kritisieren Vorstoß Eltern die Familienbeihilfe zu streichen

Eltern "schlimmer" Kinder benötigen Unterstützung statt Strafe!

DSA Monika Pinterits und Dr.Anton Schmid, die Kinder- und JugendanwältInnen der Stadt Wien, kritisieren den jüngsten Vorstoß der VP-nahen Fraktion Christlicher Gewerkschafter, "unkooperativen" Eltern von ProblemschülerInnen die Familienbeihilfe zu streichen. "Das ist völlig unsinnig, da das Geld ja den Kindern zugute kommt und diese letztendlich die Leidtragenden sind", stellt Pinterits klar. Eine andere Überlegung sieht vor, "schlimme Kinder" in so genannte Time-out-Klassen auszugliedern.
In der am Montag vorgestellten Prävalenzstudie "Gewalt in der Familie und im nahen Umfeld" vom Österreichischen Institut für Familienforschung im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend wird beschrieben, dass es in Österreich besonders in zwei Sozialräumen häufig zu psychischen Gewaltanwendungen an Kindern kommt: Zum einen in der Schule und zum anderen in der Familie.
"Anstatt endlich eine Schule am Vorbild der skandinavischen Länder zu entwickeln, wird aufgrund einer Gewaltanwendung eines Direktors (Unschuldsvermutung!) nun darüber diskutiert, wie Sanktionen für Eltern "schlimmer Kinder" aussehen könnten", empört sich Schmid. "Wieder einmal werden - anstatt seriös über die derzeitige Schulsituation zu diskutieren - Sanktionen wie ein bedingter Reflex gefordert. Es ist eine Schande, wie einige AkteurInnen des Systems Schule mit Problemen umgehen - sinnvolle Ideen abseits von Strafen oder Segregation gibt es nicht", kritisieren die JugendanwältInnen. Seit geraumer Zeit gibt es in Wien SchulsozialarbeiterInnen, die mit Kindern und Familien arbeiten, die Schwierigkeiten haben. Auch die so genannten "Mosaikklassen", in denen versucht wird, integrativ auf bestehende Probleme einzugehen,  könnten Vorbildwirkung erzielen. "Tatsächlich machen Kinder und Jugendliche nämlich nur dann Probleme, wenn sie selbst Probleme haben", weiß Pinterits.
Eltern, die sich überfordert fühlen, sollten viel eher Unterstützung erhalten. Und auch LehrerInnen könnten sich Hilfe holen und müssten nicht alles selbst bewältigen.
Nicht Sanktionen, sondern Hilfestellungen seien gefragt. "Außerdem sollte man die Diskussion darüber führen,  wie es überhaupt dazu kommen kann, dass Schläge als Erziehungsmittel angewendet werden", so die JugendanwältInnen. Es gebe viele Bereiche im Schulsystem, die Verbesserungen nötig hätten. "Deshalb muss nun auch endlich eine seriöse Debatte darüber geführt werden", schließt Schmid.

 

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